Wenn Hitze krank macht: Warnzeichen erkennen und richtig handeln

    Links ein großes Thermometer mit hohem Stand in Nachtblau, rechts ein schlichtes Haus mit außen heruntergelassenem Rollladen in Eisblau, darüber eine Sonne in klaren Linien. Unten ein kleines Wasserglas als Symbol für Trinken.
    Warnungen beachten, genug trinken, Wohnung kühl halten: die drei Grundpfeiler des Hitzeschutzes.

    Was Hitze im Körper bewirkt

    Der Körper schützt sich auf zwei Wegen vor Überhitzung. Er leitet mehr Blut in die Haut, damit Wärme nach außen abgegeben wird. Und er schwitzt. Beides kostet Kraft: Das Herz muss mehr leisten, und mit dem Schweiß verliert der Körper Flüssigkeit. So beschreibt es das Robert Koch-Institut (RKI).

    Das RKI weist zudem darauf hin: Hitze führt selten unmittelbar zum Tod. Meist ist es die Kombination aus Hitze und bestehenden Erkrankungen, etwa des Herzens, der Lunge oder der Nieren.

    Besonders belastend sind warme Nächte. Bleibt es nachts zu warm, schläft man schlechter. Die Hitze am folgenden Tag wird dann schlechter verkraftet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berücksichtigt deshalb bei seinen Hitzewarnungen auch, wie warm Innenräume nachts bleiben.

    Warnzeichen: Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

    Nicht jede Beschwerde bei Hitze ist ein Notfall. Diese Anzeichen sollten Sie aber kennen (nach dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, BIÖG, früher BZgA, und dem Umweltbundesamt, UBA).

    ZustandTypische AnzeichenWas tun
    Hitzeerschöpfungstarker Durst, Schwäche, kalte und feuchte Haut, niedriger BlutdruckAnzeichen ernst nehmen; bei Verschlechterung ärztliche Hilfe holen
    Hitzekrämpfeschmerzhafte Muskelkrämpfe nach starker körperlicher AnstrengungAnstrengung beenden; bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen
    Hitzschlag (Notfall)gerötete, heiße und trockene Haut, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen bis zur Bewusstlosigkeitsofort Notruf 112

    Wann Sie die 112 anrufen sollten: Das UBA nennt im „Hitzeknigge“ unter anderem diese Notfallzeichen: Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, plötzliche Verwirrtheit, sehr hohe Körpertemperatur (über 39 °C), Krampfanfall, Kreislaufschock, heftige Kopfschmerzen sowie wiederholtes heftiges Erbrechen.

    Erste Hilfe bei Verdacht auf Hitzschlag (nach BIÖG):

    1. Zuerst den Rettungsdienst über 112 rufen.
    2. Den Körper so schnell wie möglich kühlen.
    3. Überschüssige Kleidung entfernen.
    4. Bei Bewusstlosigkeit die Person in die stabile Seitenlage bringen.

    Wer besonders gefährdet ist

    Das Risiko steigt laut RKI vor allem, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. UBA, BIÖG, RKI und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nennen unter anderem:

    • Ältere Menschen: Mit dem Alter verlangsamt sich die Regulierung der Körpertemperatur. Ältere Menschen verspüren zudem seltener Durst (BIÖG).
    • Säuglinge und Kleinkinder
    • Schwangere
    • Menschen mit chronischen Erkrankungen, zum Beispiel von Herz und Kreislauf, Atemwegen und Lunge, Nervensystem und Psyche oder den Nieren (UBA). Das RKI nennt ausdrücklich auch Demenz.
    • Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen: Das UBA nennt Mittel, die dem Körper Flüssigkeit entziehen oder die Temperaturregulation stören, zum Beispiel Schlafmittel, Entwässerungstabletten oder blutdrucksenkende Mittel. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab. Das BIÖG rät, vor einer Hitzewelle mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, ob etwas angepasst werden muss.
    • Alleinlebende, vor allem ältere Menschen, die allein leben (UBA, RKI).
    • Menschen in ungünstigen Wohnlagen: Das RKI nennt eine ungünstige Wohnsituation als Risikofaktor. Warum es unter dem Dach besonders heiß werden kann, erklärt unser Artikel H-2 Dachgeschoss kühlen.

    Was die Zahlen des RKI zeigen

    Zur Einordnung: Im Sommer 2026 gab es laut DWD im Deutschlandmittel rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 °C. Am 27. Juni meldete Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt mit 41,8 °C einen neuen, vorläufigen Deutschlandrekord.

    Hitze steht nur selten als Ursache auf dem Totenschein. Das RKI schätzt die Zahl der Sterbefälle deshalb mit einem statistischen Modell, unter anderem mit Daten von 52 DWD-Wetterstationen.

    • 2026 (vorläufig): Im Wochenbericht vom 24.09.2026 schätzt das RKI für die Kalenderwochen 15 bis 37 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle (Unsicherheitsbereich 14.400 bis 17.600). Rund 9.600 davon entfielen auf die Hitzeperiode Ende Juni (Kalenderwoche 26), rund 4.200 auf Ende Juli bis Mitte August. Das RKI weist darauf hin, dass die Schätzung noch unvollständig ist.
    • 2025: Für die Kalenderwochen 15 bis 38 schätzte das RKI rund 2.500 hitzebedingte Sterbefälle (Unsicherheitsbereich 1.200 bis 3.700).
    • Frühere Jahre: Für 2018 und 2019 nennt das RKI jeweils etwa 7.000 und mehr, für 2020 und 2022 bis 2024 jeweils etwa 3.000 und mehr, für 2016, 2017 und 2021 zwischen 1.200 und 2.000.

    Am stärksten betroffen sind alte Menschen. Den größten Anteil haben laut RKI die Altersgruppen ab 75 Jahren. Allein für die Gruppe ab 85 Jahren schätzt das RKI für 2026 rund 8.200 Sterbefälle.

    So funktionieren die Hitzewarnungen des DWD

    Der DWD gibt amtliche Hitzewarnungen heraus. Maßgeblich ist die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag. Derzeit gibt es zwei Warnstufen:

    WarnstufeWann gewarnt wird
    Stufe 1: starke Wärmebelastunggefühlte Temperatur über etwa 32 °C; zusätzlich zählt, ob Innenräume nachts noch ausreichend auskühlen
    Stufe 2: extreme Wärmebelastunggefühlte Temperatur über 38 °C

    Die erste Schwelle liegt laut DWD im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher, weil sich der Körper an Hitze gewöhnt. Ab 2027 bereitet der DWD ein dreistufiges System vor: Eine Warnstufe 3 soll dann bei sehr lang anhaltenden und außergewöhnlich stark belastenden Hitzeperioden hinzukommen.

    So erhalten Sie die Warnungen:

    • in der WarnWetter-App des DWD, dort zusammen mit den übrigen amtlichen Wetterwarnungen,
    • per E-Mail-Newsletter „Hitzewarnung“ des DWD,
    • auf der Internetseite hitzewarnungen.de.

    Die Warnungen gelten für den aktuellen und den folgenden Tag und erscheinen täglich bis spätestens 10 Uhr.

    Schutz im Alltag

    Die folgenden Empfehlungen stammen vom BIÖG und vom UBA.

    Trinken: Das BIÖG empfiehlt, über den Tag verteilt etwa zwei bis drei Liter zu trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee, auch ohne Durstgefühl. Wichtig: Wer eine Herz- oder Nierenerkrankung hat, sollte die Trinkmenge mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

    Wohnung kühl halten:

    • Lüften Sie nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen, also nachts und frühmorgens. Das UBA rät, dann möglichst alle Fenster und auch die Innentüren zu öffnen. Steigt morgens die Außentemperatur, schließen Sie die Fenster wieder.
    • Verschatten Sie tagsüber die Fenster, am besten von außen. Außenliegender Sonnenschutz wie Rollläden hält laut UBA 80 bis 90 Prozent der Sonneneinstrahlung ab, innenliegende Rollos nur 5 bis 45 Prozent.
    • Schalten Sie Geräte aus, die Sie gerade nicht brauchen. Auch sie geben Wärme ab.

    Kleidung: Tragen Sie leichte, luftige und helle Kleidung aus atmungsaktiven Stoffen.

    Mittagshitze meiden: Das BIÖG rät, die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden. Anstrengende Tätigkeiten verlegen Sie besser in die kühleren Morgen- und Abendstunden.

    Aufeinander achten: Melden Sie sich bei älteren Angehörigen und Nachbarn, die allein leben, bei Hitze mindestens einmal täglich. Fragen Sie, wie es ihnen geht, und helfen Sie zum Beispiel beim Einkauf von Getränken.

    Welche Raumtemperatur empfehlen die Behörden?

    Das BIÖG nennt als Richtwert: Die Raumtemperatur sollte idealerweise tagsüber unter 26 °C liegen. Für die Nacht nennt das BIÖG auf seiner allgemeinen Seite unter 20 °C, auf seiner Seite für Menschen ab 65 Jahren unter 22 °C.

    Bei lang anhaltender Hitze können sich Innenräume laut UBA stark aufheizen, was besonders für ältere Menschen gefährlich werden kann.

    Ventilator oder Klimaanlage: Was hilft wann?

    Ventilatoren kühlen die Luft nicht. Die Luftbewegung kühlt aber die Haut, und sie brauchen laut UBA 20- bis 50-mal weniger Strom als ein Klimagerät. Das BIÖG nennt eine Grenze: Ventilatoren sind bis etwa 35 °C einsetzbar. Darüber kann die warme Luft die Haut nicht mehr kühlen. Das UBA ergänzt: Bei über 35 °C und niedriger Luftfeuchtigkeit kann warme Ventilatorluft sogar zur Überhitzung führen.

    Eine Klimaanlage kann in Hitzewellen helfen, Wohn- und Schlafräume im empfohlenen Bereich zu halten. Das RKI zählt Klimatisierung neben Verschattung und Information zu den möglichen Hitzeschutzmaßnahmen. Das BIÖG ordnet sie allerdings zurückhaltend ein: Wenn alles andere nicht hilft, ist eine, gegebenenfalls mobile, Klimaanlage eine der letzten Möglichkeiten.

    Zuerst kommen also Verschatten, richtig Lüften und Verhalten. Eine Klimaanlage ist sinnvoll, wenn das nicht reicht, zum Beispiel wenn gefährdete Menschen im Haushalt leben.

    Kühlen Sie nicht zu stark herunter: Das BIÖG rät zu höchstens 6 bis 8 °C unter der Außentemperatur. Das UBA rät aus Energiesicht von mobilen Klimageräten ab, weil sie wenig effizient sind.

    Welche Bauart zu Ihrer Wohnung passt, erklärt A-1 Split oder mobil. Worauf es im Schlafzimmer ankommt, besonders bei der Lautstärke, lesen Sie in A-3 Schlafzimmer, leise schlafen.

    Häufige Fragen

    Quellen

    Redaktion KühlerKopf · Veröffentlicht am 25. September 2026 · Zuletzt geprüft am 24. September 2026

    Ihre Frage ist hier nicht beantwortet?

    Schreiben Sie uns kurz – wir antworten persönlich.

    Bitte nutzen Sie die E-Mail-Adresse, die in unserem Impressum steht.

    Wie heiß wird es bei Ihnen?

    Hitze-Check starten →